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UNiMUT: Termin

23.6.2005, 18:00, Kornmarkt:

"115 Jahre Normannia sind genug" -- Kundgebung gegen das Stiftungsfest der rechtsextremen Burschenschaft

Die VeranstalterInnen (^AIHD) schreiben:

Vom 23. bis 26. Juni 2005 will die Burschenschaft Normannia Heidelberg mit einem Stiftungsfest ihr 115-jähriges Bestehen feiern. Wenige werden etwas Anrüchiges daran finden, dass eine Studentenverbindung ihre alte Tradition aufleben lässt, auf dem Heidelberger Schloss ihr Fest feiert oder ihre Aktivitas besoffen durch die Heidelberger Altstadt zieht. Und wie üblich werden sicherlich auch zahlreiche andere Studentenverbindungen der Normannia ihre Aufwartung machen.

Zwar hat die Normannia viele Gemeinsamkeiten mit den anderen Heidelberger Studentenverbindungen, in einem Punkt unterscheidet sich diese jedoch maßgeblich: Keine andere Studentenverbindung in Heidelberg stellt dermaßen offen und unverhohlen ihre rechtsextreme Ideologie in der Öffentlichkeit heraus.

Ein paar Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit gefällig?

Bereits in den 1990er Jahren gab es zwischen der mittlerweile fast in der Bedeutungslosigkeit versunkenen rechtsextremen Partei "Die Republikaner" und der Burschenschaft Normannia zahlreiche Kontakte und personelle Überschneidungen. Zudem pflegte die Normannia zu der offen neonazistischen "Burschenschaft Arminia Zürich zu Heidelberg" (BAH) ein enges Verhältnis: Mitglieder der Normannia gingen regelmäßig im Haus der BAH ein und aus - in demselben Haus, in dem bei einer Hausdurchsuchung wegen verfassungswidriger Symbole zahlreiche rechtsextreme und nationalsozialistische Materialien von der Polizei sichergestellt wurden.

Im März 2000 verteilte die Aktivitas der Normannia in Couleur antisemitische Flugblätter in der Heidelberger Hauptstraße.

Auch auf einer Demonstration gegen den Irak-Krieg am 22. März 2003 unterstrichen Normannia-Mitglieder ihre antisemitische Einstellung, indem sie mit einem Plakat gegen die "US-Weltdiktatur" und ihre "Hintergrundmächte" an der Demonstration teilnahmen.

Dementsprechend verwundert es wenig, dass die Normannia im November 2003 die antisemitische Rede des mittlerweile Ex-CDU-Mitglieds Martin Hohmann "im Wortlaut" vor der Universität verteilte.

Auch Veranstaltungen mit rechtsextremen Referenten gehören zum Standardrepertoire der Normannia: so z.B. Vorträge mit dem Juristen und "Junge Freiheit"-Stammautor Klaus Kunze, der auch als Rechtsanwalt für diverse Neonazis fungierte, oder mit Michael Paulwitz, der Referent bei der rechtsextremen "Gesellschaft für freie Publizistik" ist.

Ein "Höhepunkt" aus der jüngeren Vergangenheit ist sicherlich eine Veranstaltung mit dem verurteilten Rechtsterroristen Erhart Hartung, der auf dem Haus der Normannia über den "Südtiroler Freiheitskampf" referierte.

Dem nicht genug, versuchte die Normannia im Juli 2004 ein Seminar zum Thema "Deutschland in der Globalisierungsfalle" in Heidelberg durchzuführen. Eingeladen waren u.a. das ehem. NPD-Mitglied Michael Nier, der österreichische Revisionist Gerhoch Reisegger und Karl Richter (ehemals "Deutsche Liga für Volk und Heimat", NPD-Berater und Redakteur der rechtsextremen Zeitschrift "Junge Freiheit"). Die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) sprach in diesem Zusammenhang von einer von der Burschenschaft Normannia organisierten "rechtsextremen Schulung" (RNZ, 09.07.2004). Angesichts der antifaschistischen Gegenmobilisierung und dem sich hierdurch ergebenden öffentlichen Druck, der auch zur Kündigung des geplanten Veranstaltungsortes führte, konnte die Normannia diese Veranstaltung allerdings nicht wie geplant durchführen.

Wie ungeniert sich die Normannia dennoch als Teil der regionalen Neonazi-Szene betrachtet, konnte man auf den Neonazi-Demonstrationen am 1. Mai 2005 in Frankenthal und Worms sehen. Neben regional und überregional bekannten Neonazikadern wie dem Nazi-Skinhead Christian Hehl (Mannheim) oder dem langjährigen Aktivisten René Rodriguez-Täufer (Viernheim) beteiligte sich auch der Normanne Matthias Müller an den Aufmärschen der Neonazis.

Dass angesichts dieser eindeutigen Positionierungen der Normannia auch die NPD und der besagte René Rodriguez-Täufer Veranstaltungen auf dem Verbindungshaus am Kurzen Buckel besuchen bzw. in rechtsextremen Kreisen für diese geworben wird, dürfte eigentlich nicht weiter verwundern. Und doch gelingt es der Normannia immer wieder, in konservativen und bürgerlichen Kreisen zu agieren. So legte sie alljährlich am "Volkstrauertag" beim so genannten Heldengedenken, bei dem die Heidelberger Stadtverwaltung gemeinsam mit Militärs und Vertretern der Parteien der "Opfer von Krieg und Gewalt" gedenkt, einen Kranz nieder.

Auch die anderen Heidelberger Studentenverbindungen scheinen nur wenig Berührungsängste mit der Normannia zu haben: Im April 2003 führte der Großteil von ihnen gemeinsam mit der Normannia eine Veranstaltung unter dem Motto "Heidelberger Studentenverbindungen stellen sich vor" durch. Leichter kann man es der extremen Rechten nicht machen, ihre menschenverachtenden Ideologien in der Gesellschaft zu etablieren.

Auch bei ihrem Stiftungsfest wird die Normannia sich wieder als eine Studentenverbindung unter vielen darstellen. Und ihr wird es wieder gelingen in öffentlichen und privaten Raum vorzudringen, wie z.B. in das Traditionslokal "Roter Ochsen", in dem sie auch regelmäßig einen Stammtisch veranstaltet, oder auf das Heidelberger Schloss. Damit bieten Schlossverwaltung, "Roter Ochsen" und alle anderen, die diese Feier unterstützen, an ihr teilnehmen bzw. diese ignorieren, ein Einfallstor für völkische, nationalistische und antisemitische Ideologien.


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