[Home] [Aktuell]

UNiMUT: Termin

25.6.2003, Marktplatz, vorm Rathaus:

Aktionstage für ein neues Autonomes Zentrum

Vier Jahre ist es mittlerweile her, dass in der Alten Bergheimer Straße in Heidelberg unter Polizeischutz die Bagger anrückten, um das Gebäude des Autonomen Zentrums vor den Augen der BetreiberInnen dem Erdboden gleichzumachen. Die glatten Beton- und Glasfassaden zwischen Stadtbücherei und Polizeifestung erinnern heute nicht mehr daran, dass hier acht Jahre lang das Zentrum unabhängiger, unkommerzieller, widerständiger und innovativer Kultur in Heidelberg war. Und in den etablierten Medien ist nur noch selten davon zu hören, dass die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeisterin Beate Weber öffentlich zugesagt hatte, für einen gleichwertigen Ersatz zu sorgen.

Es herrscht wieder "Frieden" in Heidelberg. Die Stadt wird "gereinigt" von allem, was keinen Profit verspricht, Kampagnen "gegen Schmutz und Schmiererei" werden geführt, und die neue Polizeiverordnung sorgt im Verein mit überall präsenten OrdnungshüterInnen dafür, dass Obdachlose, Alkis, Punks und BettlerInnen nicht mehr das harmonische Straßenbild stören. Demokratie in Heidelberg bedeutet, zwischen Nike und Adidas, zwischen CDU und SPD wählen zu können.

Aber wir sind immer noch da, und wir machen weiter! Wir lassen uns auch durch ein Heer von Putzkolonnen, Bullen und SozialarbeiterInnen nicht aus dem Bild dieser sauberen TouristInnenmetropole vertreiben, die für ihre nicht zahlungskräftigen EinwohnerInnen nichts auf Lager hat als spießigen Muff, Beschwichtigung und Ausgrenzung; das alte Konzept von Zuckerbrot und Peitsche. Mit den Aktionstagen für ein neues selbst verwaltetes politisches und kulturelles Zentrum wollen wir unsere Vorstellungen von spannender, vielfältiger linker Kunst, Kultur und Politik auf die Straßen Heidelbergs tragen. Wir wollen öffentlich zeigen, dass eine Kultur jenseits von kommerziellem kulturellem Mainstream und politischem Einheitsbrei möglich ist. Wir pfeifen auf Vereinnahmungsversuche der Stadt, die als "Jugendhalle", "städtisches Jugendzentrum" oder "Partyräume" daherkommen. Offensichtlich ist den verknöcherten Stadtratsgehirnen nicht klar zu machen, dass freie Kultur etwas anderes sein könnte als betreuter Bier- und Colakonsum. Und beim Stichwort "Jugend" fällt den Stadtoberen scheinbar ohnehin nichts anderes ein als Kontrolle und Betreuung.

Wir brauchen keine Bevormundung, keine Beaufsichtigung und kein "pädagogisches Programm". Was wir brauchen, sind Räume, in denen wirkliche Selbstverwaltung stattfinden kann, in denen sich Menschen jenseits von Konsumzwang und Reihenhausisolation begegnen und gemeinsam ihre politischen und kulturellen Ideen verwirklichen können. Dass das möglich ist, haben wir mit dem Autonomen Zentrum acht Jahre lang bewiesen.

Diese Stadt gehört nicht nur den TouristInnenherden, den Biedermännern und -frauen und den "glücklichen", "freien" EinkäuferInnen. Sie gehört allen Menschen, die hier leben, ganz gleich, wie alt sie sind, was für einen Pass und welche Hautfarbe sie haben, und ganz gleich, ob sie es sich leisten können, für 20 Euro am Abend "Kultur" zu konsumieren oder von Sozialhilfe ihr Dasein fristen müssen.

Wir wollen zwischen dem 25. und 28. Juni die Forderung nach einem neuen Autonomen Zentrum mit Aktionstagen unterstreichen, bei denen wir uns den öffentlichen Raum zurückerobern und vermitteln wollen, wie gelebte Widerstandskultur aussehen kann.

Wir laden alle Menschen ein, sich an den Aktionstagen zu beteiligen, eigene Ideen einzubringen oder sich einfach nur zu informieren.

Und das ist bisher für die Aktionstage geplant:

  • Mittwoch, 25.06.
    • 15 Uhr: AZ-Ausstellung, Infos, Ideen sammeln
    • 17 Uhr: Widerstand globalisieren! Bericht und Infos zum G8-Gipfel in Evian
    • 19 Uhr: offenes Plenum, Vokü (gemeinsames Kochen und Essen), Aktionsplanung

  • Donnerstag, 26.06.
    • 11 Uhr: Brunch
    • 13 Uhr: Workshops & Fun - z. B. Pink&Silver, Demopuppen bauen, Sprühschablonen, Malen, Puppentheater, Improtheater, Jonglage....
    • 15 Uhr: Kundgebung vor dem Rathaus anlässlich der
    • Gemeinderatssitzung
    • 18 Uhr: Lecker Essen in der Vokü
    • 19 Uhr: Das legendäre AZ-Quiz

  • Freitag, 27.06.
    • 11 Uhr: Brunch
    • 13 Uhr: Workshops & Fun - siehe auch Donnerstag....
    • 16.30 Uhr: Stadtrundgang zu Widerstand und Gegenkultur in Heidelberg von 1968 bis heute
    • 18 Uhr: Vokü
    • 19 Uhr: Vortrag zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft des AZ

  • Samstag, 28.06., 11 Uhr, Universitätsplatz: Kundgebung für ein neues selbst verwaltetes Zentrum in Heidelberg


Diese Seite darf unter der GNU FDL (auch verändert) weiterverbreitet werden. Näheres in unserem Impressum.

Druckfassung

unimut@stura.uni-heidelberg.de